Digitalisierung im Bau

Das Digitalisierungspotenzial in der Schweizer Baubranche ist noch lange nicht ausgeschöpft. Obwohl die meisten Bauunternehmen die Chancen der Digitalisierung erkennen, sind sie in der Umsetzung bislang zurückhaltend. Dass sich die Baubranche der Digitalisierung früher oder später stellen muss, war den meisten Branchenkennern seit Jahren klar. Dennoch haben sich viele Unternehmen noch nicht oder nur wenig damit befasst. Die Corona-Pandemie hat sich nun als zusätzlicher Treiber der Digitalisierung in der Bau- und Immobilienbranche entpuppt. Wo sich noch vor kurzem Digitalverweigerer an analoge Prozesse klammern konnten, wurde in der Krise klar: Es braucht digitale Lösungen auf der Baustelle. Der Spezialist für digitale Dokumentation und Kommunikation in Bau- und Immobilienprojekten PlanRadar führte kürzlich eine Studie zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Digitalisierungsstrategie durch. Sie hat ergeben, dass 71 % der 107 befragten Unternehmen ihre Strategie im Zuge der Pandemie überarbeitet oder teilweise angepasst haben. Die mit 30 % am häufigsten genannte Ursache ist die pandemiegegebene fehlende Präsenz vor Ort.

Digitalisierung als Brücke
Der eingeschränkte persönliche Kontakt zwischen Projektbeteiligten stellt viele Bau- und Immobilienunternehmen vor bisher unbekannte Probleme. Die Digitalisierung kann sich dabei zur Brücke entwickeln, in dem sie zumindest strategisch wichtige Prozesse auch dann aufrechterhalten kann, wenn Präsenz auf der Baustelle nicht möglich ist. Damit auch fernab der Baustelle alle Prozesse im Blick behalten werden können, ist eine einfache, schnelle und zuverlässig funktionierende Kommunikation essenziell. Einheitliche Kommunikationsregeln, die für alle Projektmitarbeitenden gelten, sichern dabei den reibungslosen Informationsaustausch. Darüber hinaus ist die lückenlose Dokumentation entscheidend. Mittels optimierter und automatisierter Prozesse lassen sich deutliche Kosteneinsparungen und Zeitvorteile realisieren. So können insbesondere erfahrene Mitarbeitende ihr Fachwissen bei wichtigeren Tätigkeiten einsetzen, da sie nicht mehr durch lange Routineaufgaben eingebunden sind.

Drei Vorteile digitaler Lösungen für die Baustelle
Bauprojekte können in unterschiedlicher Weise von digitalen Tools profitieren. Je nach Unternehmen oder Projekt lohnt sich eine individuell abgestimmte Digitalisierungsstrategie. Über die ganze Branche hinweg sehen wir allerdings drei entscheidende Vorteile im Einsatz von digitalen Lösungen auf der Baustelle:

  1. Durchgängiger Datenfluss

Effizienzvorteile lassen sich insbesondere bei der Planung und Dokumentation des Baustellenbetriebs mittels durchgängigen Datenflusses realisieren. Repetitive und administrative Aufgaben von leitenden Positionen können so bereits digital und in Echtzeit durch Führung eines digitalen Bautagebuchs erfolge. Alle relevanten digitalen Pläne zum Projekt lassen sich in einem speziell entwickelten Tool für Dokumentation in Bau- und Immobilienprojekten einbinden. Diese Pläne bilden die Basis, auf der alle Arbeitsprozesse zur Aufnahme von Mängeln, zur Baudokumentation und Leistungserstellung erfasst und dokumentiert werden können. So bleiben Bauleitung, Generalplaner oder Bauherrenvertretung immer auf dem aktuellen Stand.

  1. Steigerung von Transparenz und Effizienz

Werden Daten strukturiert und mit einheitlichen Standards erfasst, ermöglicht dies eine einfache Verarbeitung und Auswertung. Zusätzlich sorgt die Digitalisierung am Bau für mehr Transparenz, da stets klar ersichtlich ist, welche Leistungen von wem erbracht wurden. Durch eindeutig nachvollziehbare Sachverhalte lassen sich potenzielle Konflikte häufig schon in ihrer Entstehungsphase lösen. Digitale Lösungen können mittlerweile sogar BIM-Modelle nach neuesten Datenstandards auch mobil am Bau in 3D visualisieren. Diese Funktion erlaubt jederzeit Zugriff auf den vollständig aktuellen Stand und die entsprechenden Projektinformationen. Das Resultat ist eine höhere Ausführungsqualität und Effizienz.

  1. Offene Datenstandards und intuitive Navigation

Wichtig ist, dass alle am Bau verwendeten Softwarelösungen auch für Laien einfach nutzbar sind. Nur so ist garantiert, dass Daten von unterwegs oder von der Baustelle aus über eine intuitive Navigation leicht und schnell eingegeben und verarbeitet werden. Dabei helfen auch offene Datenstandards wie zum Beispiel BCF- und iFC-Standards bei BIM-Modellen. Diese Standards stellen sicher, dass die zwischen den Projektbeteiligten ausgetauschten Informationen von den eingesetzten Softwarelösungen korrekt interpretiert werden.

Die digitalen Potenziale nutzen
Die Digitalisierung ist auf keinen Fall nur ein Krisenthema, obwohl die Vorteile nun umso deutlicher in Erscheinung treten. Die Vorteile von digitalen Lösungen in Bauprojekten sind für die ganze Branche von hoher Relevanz. Es ist zu hoffen, dass die Pandemie nun die Berührungsangst gegenüber neuen Technologien abgebaut hat und so eines der grossen Hemmnisse der Digitalisierung verschwunden ist.

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* Der Autor Rudolf Pistora ist Team Lead Sales des PropTech-Unternehmens PlanRadar für den DACH-Raum.