Wenig verdichteter Wohnraum

In der Schweiz herrscht ein Einfamilienhausboom: 59 % aller Gebäude mit Wohnnutzung, die seit 2010 gebaut wurden, sind Einfamilienhäuser. (Bild: zVg)

Wenn das Bundesamt für Statistik neues Zahlenmaterial über Wohnraum bekannt gibt, liegt dieses in der Regel schon etwas zurück. Die neuste Publikation betrifft das Jahr 2017. Doch die Erkenntnisse hinter den Tabellen und Charts sind hochinteressant. Ende 2017 gab es in der Schweiz rund 1,7 Mio. Gebäude mit Wohnnutzung. Dies entspricht einer Zunahme von 6 % gegenüber 2010. Knapp die Hälfte aller Gebäude (49 %) befindet sich in den fünf bevölkerungsreichsten Kantonen Zürich, Bern, Waadt, Aargau und St. Gallen. Der Gesamtwohnungsbestand der Schweiz umfasst rund 4,5 Mio. Wohnungen. Dies entspricht einer Zunahme von 10 % gegenüber 2010. Wie bei den Gebäuden sind auch bei den Wohnungen rund die Hälfte (51 %) in den fünf bevölkerungsreichsten Kantonen (ZH, BE, VD, AG und SG) zu finden. Über die Hälfte (55 %) des Gesamtwohnungsbestands in der Schweiz sind Wohnungen mit 3 oder 4 Zimmern. Ein Viertel der Wohnungen ist grösser und ein Fünftel kleiner. Im städtischen Kernraum verfügt ein Fünftel (20 %) der Wohnungen über 5 oder mehr Zimmer. Im Einflussgebiet städtischer Kerne ist der Anteil der grossen Wohnungen am höchsten: 87 % der Wohnungen haben 3 oder mehr Zimmer und 36 % haben 5 oder mehr Zimmer.

In Basel am meisten Mieter
Wohnungen mit einer Fläche von 60 bis 119 m2 machen mehr als die Hälfte (54 %) des Gesamtwohnungsbestands aus. Über ein Viertel der Wohnungen (28 %) sind grösser und 18 % sind kleiner. Im städtischen Kernraum (94 m2) ist die Wohnungsfläche kleiner als in Gebieten ausserhalb des Einflusses städtischer Kerne (102 m2). Ende 2017 lebten in der Schweiz 2,2 Mio. Haushalte (59 %) in einer Mietwohnung. Die städtischen Kantone Basel-Stadt und Genf weisen mit 84 % beziehungsweise 78 % die höchsten Anteile an Mietwohnungen auf, die Kantone Wallis (39 %) und Jura (42 %) die tiefsten. Mieterhaushalte sind vor allem Einpersonenhaushalte (44 %) oder Paarhaushalte mit oder ohne Kinder (45 %). Diese beiden Haushaltstypen entsprechen 36% beziehungsweise 55% aller Haushalte. 59 % aller Gebäude mit Wohnnutzung, die seit 2010 gebaut wurden, sind Einfamilienhäuser. Für die Bauperiode 2001 bis 2010 beträgt dieser Anteil gar 72 %. Bis ins Jahr 2012 ist dieser Anteil stetig gestiegen und seither stabil geblieben. Der Kanton Genf stellt insofern eine Besonderheit dar, als der Anteil der Einfamilienhäuser (58 %) in diesem Kanton dem schweizerischen Mittel entspricht, jedoch nur ein sehr geringer Prozentsatz der Bevölkerung in solchen Gebäuden wohnt (GE: 15 %; CH: 27 %). Im Kanton Basel-Stadt leben anteilsmässig am wenigsten Personen in einem Einfamilienhaus (12 %), im Gegensatz dazu lebt fast die Hälfte der Bevölkerung des Kantons Jura in einem Einfamilienhaus (48 %); zwei Drittel (67 %) aller Gebäude mit Wohnnutzung sind dort Einfamilienhäuser.

Noch wenig Verdichtung
Betrachtet man die Schweiz als Ganzes, so zeigen die Statistiken einen wenig verdichteten Wohnraum. In mehr als drei Vierteln der Gebäude befinden sich eine oder zwei Wohnungen. Diese Gebäude werden von rund 40 % der Bevölkerung bewohnt. In nur gerade 5 % der Gebäude gibt es mehr als 10 Wohnungen, die aber von rund einem Viertel der Bevölkerung bewohnt werden. In fast der Hälfte (46 %) der Einfamilienhäuser leben eine oder zwei Personen. Nur jedes zehnte Einfamilienhaus (9 %) ist mit mehr als vier Personen belegt. Über ein Drittel der Mehrfamilienhäuser werden von mehr als 10 Personen bewohnt, was 38 % der Bevölkerung entspricht. Nur gerade 0,5% der Gebäude mit Wohnnutzung beherbergen 50 oder mehr Personen; diese Wohnform betrifft etwas mehr als 600 000 Personen oder 7 % der Bevölkerung. Etwas mehr als die Hälfte der Gebäude mit Wohnnutzung haben ein oder zwei Geschosse, 5 % der Bauten sind 5- oder 6-geschossig und 1,5 % bzw. rund 25 000 Gebäude haben mehr als 6 Geschosse.

Kanton Freiburg mit jüngstem Gebäudepark
15 % der Gebäude mit Wohnnutzung in der Schweiz wurden nach 2000 gebaut. Dieser Anteil variiert je nach Kanton. Der Kanton Freiburg verfügt über einen aussergewöhnlich neuen Gebäudepark: rund ein Viertel (24 %) der Gebäude stammen aus dem 21. Jahrhundert. Demgegenüber beträgt dieser Anteil im Kanton Basel-Stadt nur gerade 4 %, im Kanton Glarus 8 % und im Kanton Appenzell Ausserrhoden 9 %. Der Kanton Basel-Stadt zeichnet sich dadurch aus, dass 75 % seines Gebäudeparks vor 1961 gebaut wurden. Ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung wohnt in Gebäuden, die nach 2000 gebaut wurden. In den Kantonen Zug (30 %), Schwyz (28 %) und Freiburg (27 %) ist dieser Anteil besonders hoch. Rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung lebt in Gebäuden, die vor über einem halben Jahrhundert gebaut wurden (Baujahr vor 1961). Fast die Hälfte (47 %) der Bevölkerung wohnt in einem Gebäude, das zwischen 1961 und 2000 erstellt wurde.

Einfamilienhäuser immer grösser
Die durchschnittliche Wohnungsfläche von Einfamilienhäusern ist umso grösser, je neuer die Gebäude sind (durchschnittlich 131 m2 für Häuser aus der Bauperiode 1946–1980, 151 m2 bei Bauperiode 1981–2000 und 168 m2 bei Bauperiode nach 2000). Die Schweizer Haushalte sind häufiger Mieter als Eigentümer. Ende 2017 zählte die Schweiz 2,2 Millionen Haushalte, die in einer Mietwohnung lebten, und 1,4 Mio. Haushalte, die in ihrer eigenen Wohnung lebten. Dies entspricht einer Wohneigentumsquote von 38%.

Unterschiedliche Mietpreise in den Kantonen
Werden alle Wohnungsgrössen gemeinsam betrachtet, sind die höchsten Mieten in den Kantonen Zug, Zürich und Schwyz zu finden. Die Kantone Jura, Neuenburg und Glarus sind am mietgünstigsten. Im Kanton Zug ist die durchschnittliche Monatsmiete mit 1837 Franken am höchsten und liegt 38 % über dem schweizerischen Durchschnitt von 1329 Franken. Das andere Extrem stellt mit durchschnittlich 907 Franken der Kanton Jura dar.
Die Leerwohnungsziffer in der Schweiz ist gegenüber dem Vorjahr erneut stark angestiegen und belief sich am 1. Juni 2018 auf 1,62 %. Am Stichtag wurden 72 294 leere Wohnungen gezählt, dies sind knapp 13 % oder 8020 Einheiten mehr als im Vorjahr. Die Leerwohnungsziffer steigt seit 2010 kontinuierlich an. In den beiden Grossregionen Ostschweiz (2,08 %) und Tessin (2,02 %) überschritt sie erstmals seit mehr als 15 Jahren die Zwei-Prozent-Marke.

Durchschnittlicher Mietpreis in Franken nach Kanton, 2017 (PDF)
Entwicklung der Leerwohnungen und der Leerwohnungsziffer, 1984–2018 (PDF)

www.bfs.admin.ch