Digitalisierung noch nicht angekommen

Bei vielen Firmen ist das Immobilienmanagement dezentral organisiert. Die relevanten Daten sind noch nicht in einem System zentralisiert und auf Knopfdruck verfügbar. (Bild: zVg)

*Die Autorin Nadja Lemke ist Leiterin Presse und internationale Kommunikation bei Drees & Sommer.

Immobilien sind das Kerngeschäft der Property Companies und binden bei den Corporates einen grossen Teil des Kapitals. Das Management immobilienbezogener Strukturen, Prozesse und Kosten hat daher massgeblichen Einfluss auf die Unternehmensformen. Bei vielen Corporates ist das Real Estate Management noch nicht zentralisiert. Auch in punkto Digitalisierung sowie Nachhaltigkeit besteht Aufholbedarf. Der Bestand vieler Property Companies und Corporates scheint in vielen Fällen nicht mehr den heutigen Ansprüchen zu genügen: Ein Drittel der Immobilienmanager hält die Unternehmens-Liegenschaften für nicht mehr zeitgemäss, was Technik, Substanz oder Konzeption angeht. Ein weiteres Drittel befürwortet neue Standortstrategien wie Umnutzung und Verwertung von Flächen. Das geht aus der neuen Drees & Sommer Trendstudie Real Estate Management hervor. «Die Aufgabe besteht nicht nur darin, die Immobilien auf einem hohen baulichen Niveau zu halten und dabei die sehr grosse Anzahl an baurechtlichen Anforderungen zu beachten. Wichtig ist genauso, digitale und nachhaltige Technologien einzubinden», erläutert Thomas Häusser, Partner der Drees & Sommer SE, der die Projekte im Bereich Real Estate Consulting verantwortet. Angesichts dieser Herausforderung, ist für 30 % der befragten Corporates ein zentrales Immobilienmanagement umso wichtiger, je höher die Anzahl der zu bewirtschaftenden Liegenschaften ist. Weitere 30 % halten Transparenz und Standards für wesentliche Vorteile. «Immobilienbezogene Kosten beeinflussen die Unternehmen massgeblich. Doch noch immer ist bei mehr als jedem dritten Corporate das Immobilienmanagement dezentral organisiert», stellt Häusser fest und empfiehlt: «Ein Umdenken muss dringend beginnen. Denn je grösser und komplexer der Immobilienbestand, desto wichtiger wird die Digitalisierung und Verfügbarkeit von Informationen auf Knopfdruck».

Potenziale der Digitalisierung im Blickpunkt
Positiv: Die Potenziale der Digitalisierung werden vom Real Estate Management der Property Companies als auch Corporates zunehmend erkannt. Dies belegen die Studienergebnisse eindeutig. Doch lediglich 9 % der Teilnehmer gaben an, dass ihre Kernprozesse und Geschäftsmodelle nahezu vollständig digitalisiert sind. Das mag laut Drees & Sommer unter anderem daran liegen, dass
die Handhabung der digitalen Daten in den meisten Fällen noch nicht optimal ist. Derzeit müssen drei von vier Real-Estate-Verantwortlichen immobilienbezogene Informationen noch aus unterschiedlichsten Quellen zusammenstellen. Bei nur 16 % sind die relevanten Daten in einem System zentralisiert und auf Knopfdruck verfügbar. Bei 8 % liegen diese beim Dienstleister. 4 % verfügen über keine Informationen. Mitunter mag das auch auf die mangelnde Transparenz des IT-Marktes zurückzuführen sein: Nur ein Prozent der Immobilienmanager denkt, dass der Markt für digitale Tools, Applikationen und Plattformen im Real Estate Management gut strukturiert und übersichtlich ist. Mit 60 % hält ihn die deutliche Mehrheit noch für äusserst intransparent. Mehr als ein Drittel der Immobilienmanager sieht in einem digitalen Gebäudemodell für den Betrieb zudem noch keinen Mehrwert.

Klassische Verfahren
Geht es um den Verkaufsprozess bevorzugen Immobilienmanager bewährte Wege: In fast 60 % der Unternehmen verläuft der Transaktionsprozess mehrstufig nach dem klassischen Verfahren, moderne strukturierte Bieterverfahren spielen noch eine untergeordnete Rolle. 23 % handeln schnell und direkt – ohne einen strukturierten Prozess. Unabhängig von der jeweiligen Grösse
ist sich die Mehrheit der Property
Companies einig, dass An- und
Vermietung, An- und Verkauf, 
Performance- und Risikomanagement sowie Budget und Reporting zu den wichtigsten Leistungen des Asset
Managements zählen. Für weniger
wichtig halten die Befragten die
Dienstleistersteuerung. «Mit Blick auf
die Praxis empfiehlt sich jedoch hierauf ein höheres Augenmerk zu legen, da etwa 60 % der Property Companies angeben, solche Leistungen extern zu verlagern», so Häusser. Zudem scheint auch Nachhaltigkeit für viele Teilnehmer noch keine zu grosse Rolle zu spielen, wenngleich sie im Verkaufsprozess ein grösseres Gewicht hat. So sind immerhin 41 % aller befragten Immobilienmanager der Meinung, dass sich Gebäude mit Nachhaltigkeitszertifizierungen besser vermarkten lassen. Die neue Drees & Sommer Trendstudie Real Estate Management dokumentiert Trends und Einschätzungen der Immobilienverantwortlichen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Basis der Studie ist eine detaillierte Umfrage unter 200 Immobilien-Verantwortlichen aus Corporates und Property Companies. Davon sind 66 % bei Corporates und 34 % bei Property Companies beschäftigt.

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